Im Osten der Senf, im Westen die Kohle

Eine Zeitreise zurück ins Studentenleben im Berlin der 50er Jahre. Ein Buch, das seinen Ursprung auf einem Fahrrad und in einem Briefwechsel zwischen einem Großvater und seiner Enkelin fand. Eine Annäherung über die Zeit hinweg zwischen zweien, die in einem vereinten Berlin studierten. Nach einer wahren Lebenserinnerung.

Im Osten der Senf, im Westen die Kohle ist in einer ersten privaten Auflage von 50 Exemplaren erschienen. Es wurde erfolgreich durch eine Crowdfunding-Kamagne finanziert. Es ist mein erstes Buch, mit dem ich nun auf Verlagssuche bin. Weiter unten auf dieser Seite ist das Vorwort aus dem Buch zu finden, was über den näheren Hintergrund dieser Geschichte informiert.
Ein paar Exemplare stehen noch zum Verkauf. Gerne einfach bei mir melden!

Vorwort                                                                                            
                                                                                                                   Berlin im Herbst 2019

Ich erinnere mich noch daran, wie ich an einem Nachmittag im August 2014 auf einer Wiese in Moabit nahe der Perleberger Straße saß. Es war zwar ein warmer, sonniger und damit eigentlich schöner Tag, doch ich fühlte mich ziemlich verloren von der   erschöpfenden Wohnungssuche in der Hauptstadt. Vor mir stand ein Umzug nach Berlin zum Antritt meines Studiums an der Kunst-hochschule Weißensee. Am Mittag desselben Tages hatte ich im Vorbeigehen auf dem Alexanderplatz eine Postkarte gekauft. Auf ihr war zu sehen: ein Rosinenbomber über einer Kinderschar in Berlin-Tempelhof im Jahr 1948. Als ich die Karte sah, musste ich an meinen Opa Jürgen denken. Er war 1953 als junger Mann zum Studieren aus seiner Heimatstadt nach Berlin gezogen – genauso wie ich heute. Ich wusste allerdings kaum etwas darüber, wie er die Stadt wahrnahm, kurz vor dem Mauerbau. Trotzdem stellte ich mir während meiner Wohnungssuche oft vor, wie es früher für ihn gewesen sein musste und schrieb ihm meinen Gedanken kurzerhand auf die Postkarte: „Ich frage mich oft, wie es in Berlin wohl zu Deiner Studentenzeit war“. Ohne diese Karte wäre es vielleicht nie zu diesem Buch gekommen.

 

Heute, ziemlich genau fünf Jahre später, weiß ich, wie es sich in seiner Studen-tenzeit in etwa zugetragen haben musste. Dass ich mit meiner Post eine so große Erinnerungs-Quelle angestochen hatte, war mir damals auf der Wiese allerdings nicht bewusst. Denn mit der Karte begann ein Briefwechsel zwischen meinem Großvater und mir. In ausführlichen Beschreibungen erzählte er von seiner Berliner Zeit in den 50er Jahren. Von einer Stadt, die die vier Alliierten nach dem Krieg unter sich aufgeteilt hatten und die noch keine Mauer trennte. Opa Jürgen konnte Berlin damals genauso durchqueren, wie ich es heute wieder kann, 61 Jahre später. Dazwischen liegen fast 30 Jahre Stadtteilung, die für die Generation meiner Eltern fast zur Selbstverständlichkeit wurde. Selbst nach dem Mauerfall war Berlin für die meisten noch, zumindest im Kopf, unterteilt in Ost oder West. Meine Generation wiederum weiß zum Teil schon gar nicht mehr, wo die Berliner Mauer überhaupt verlief. Sie erlebt die Stadt wieder als Ganzes, so wie es mein Opa damals schon tat. Diese Gemeinsamkeit der Nachkriegs- und der heutigen Generation wurde mir mit der Entwicklung meines Buches deutlich. Ich sah es als Chance, meinen Opa als Zeitzeugen für so einen besonderen historischen Zeitabschnitt, kurz vor dem Mauerbau, zu befragen und mit meinen Erfahrungen in Beziehung zu setzen. Dieses Buch ist eine Zeitreise in die Vergangenheit. Es ist eine von mir illustrierte Wiedergabe des Briefwechsels zwischen meinem Opa und mir. 

 

Die Idee, unser Schreibgespräch in einem bebilderten Buch wiederzugeben, kam mir im August 2018 auf einem senfgelben Fahrrad. Das Rad, auf dem ich saß, war nicht irgendeines: Es war das Rad, das schon damals in den 50er Jahren mit dem Studenten Jürgen Bornkessel durch die Straßen Berlins fuhr. Anhand von Opas Wegbeschreibungen stellte ich sogar fest, dass die täglichen Radstrecken, die er damals fuhr, mit meinen heutigen teilweise identisch sind. Kurz nach meiner Ankunft hatte er mir das Rad geschenkt und ich brachte es wieder zurück in seine Jugendstadt Berlin. Auch deshalb habe ich mich in seine Zeit noch stärker einfühlen können. So kann ich mir auch heute noch vorstellen, wie der junge Jürgen mit unserem Fahrrad einmal von Ost nach West durch ganz Berlin zischte: die Pappelallee runter, quer durch die Stadt und abends rein in den Jazzkeller Eierschale. Da wäre ich wirklich zu gerne einmal dabei gewesen! Und vielleicht war ich es ja auch. Dieser weitere Zufall würde mich nicht wundern. Denn immer, als ich meine Zeichnungen fertig vor mir liegen hatte, dachte ich: „Ja! Genau so muss es gewesen sein!“

 

Einer von Opa Jürgens Briefen endete mit dem Satz: „Luise, Du lässt Berlin bei mir wieder auferstehen, wie der Konzertdirigent auf offener Bühne. Vielen Dank dafür.“ Was das mit dem Konzertdirigenten auf sich hat, liebe LeserInnen und BetrachterInnen, ist eine andere Geschichte; vielleicht meine nächste Bilder-geschichte. Aber was ich Dir, Opa Jürgen, noch gerne sagen möchte: Danke auch Dir so sehr für diese besonderen Briefe und Erinnerungen. Durch sie habe ich unser Berlin auch noch einmal ganz neu kennengelernt!

 

Viel Vergnügen beim Anschauen!

 

Luise Bornkessel